Archive für August 2008

Die Zwillingsschwester

Was sagt man dazu! Als ich heute morgen meinen Kontrollblick machte, hatte ich wieder einen Grund zur Freude. Eine zweite 3mm große Pygmäe guckte mich durch das trübe Glas an. Beide Arbeterinnen waren zu der Zeit noch ziemlich hell, wenn nicht sogar weiß gewesen.

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Diese Färbung änderte sich dann nach einigen Stunden in ein dunkles Grau. Der Kopf scheint mir aber noch keine rötliche Färbung angenommen zu haben. Vielleicht kommt das noch nach ein paar Tagen. Es kann auch sein, dass erst die größeren Arbeiterinnen eine Zweifärbung bekommen, wie es bei Messors barbarus ebenfalls ist. Wäre Schade, wenn es sich um eine schwarze Farbvariation von Myrmecocystus mimicus oder gar um eine andere Art handeln würde. Aber wie immer: abwarten und Grüntee trinken. Übrigens: die rote Königin ist endlich in das Reagenzglas gezogen.

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Ich habe mir bei real,- vier riesige Plastikwannen erstanden. Mit den Maßen 40cm x 33,5cm x 8,5cm sind diese Behälter von der Grundfläche her sogar größer als mein Messorbecken. Da ich meinen Glauben an Talkum verloren habe, holte ich meine 1 L PTFE Flasche wieder heraus. Zuerst habe ich einen kräftigen Schluck in die erste Wanne gegeben und dann versucht, durch leichtes Kippen die Seitenwände zu benetzen. Einige Stellen blieben aber hartnäckig PTFE-frei, sodass ich einfach noch mehr von der trüben Brühe draufgekippt habe. Überschüssiges PTFE ließ ich in die nächste Wanne laufen.

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Ich fuhr so fort, bis alle vier Wannen vollständig mit dem Rutschmittel überzogen worden sind. Da ein Rutschmittel alleine kein 100 prozentiger Ausbruchschutz darstellt, wollte ich die schlecht sitzenden Deckel ebenfalls noch ausbessern. Ich holte also mein Fensterdichtungsband aus Moosgummi heraus und klebt diese auf den Beckenrand. Als ich dann den Deckel auflegte, merkte ich, dass an den Ecken nicht genug Anpressdruck vorhanden ist. Entweder ich beschwere die Ecken, oder ich besorge mir Spanngurte, die ich dann um das ganze Konstrukt spanne.

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Jedenfalls deckelte ich drei der Wannen zu, damit nicht unnötigerweise Staub hineinkommt. Eine Wanne befüllte ich mit ausgewaschenem Kies, der im nassen Zustand weniger Staub aufwirbelt. Derzeit trocknet das ganze noch aus.

Ich habe anschließend habe ich einen kleinen Gang in das Nest mit den Pygmäen gegraben und ein Reagenzglasnest angeschlossen. Vielleicht ziehen sie ja rasch um. Erste Erkundungen gab es bereits schon, aber solange das alte Nest noch feucht genug ist, werden sie wohl dort auch bleiben.

Der weiße Tod

Als hätte ich es nicht geahnt! Die Arbeiterin, die gestern in der Tupperdose war, wollte nicht zurück ins Hauptbecken. Stattdessen versuchte sie an den Wänden hochzuklettern, was ihr natürlich nicht gelang. Durch den ständigen Aufenhalt an den Seiten der Dose deckte sie sich immer mehr mehr mit feinen Pulver ein, wodurch wahrscheinlich ihre Tracheen, als die Atmungsorgane von Insekten, verstopft wurde. Sie wurde innerhalb einer Stunde immer inaktiver, bis sie stehen blieb.

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Ich musste meine Konsequenzen ziehen und die Tupperdose abklemmen. Einmal Talkum und nie wieder!

Babyfotos

Nun, ich machte gerade eben wieder einen Kontrollblick und bemerkte, wie sich die Königin mit den vielen Puppen intensiv eine Kokonpuppe bearbeitete. Ich hatte da schon ein leichtes Kribbeln im Bauch gehabt, hatte aber danach noch etwas anderes zu erledigen gehabt. Natürlich wurde mein Kribbeln immer stärker und ich musste noch einmal vorbeischauen. Ja, ist das etwa ein leerer Kokon? Aber wo ist die Pygmäe hin? Schweiß lief mir sturzbachartig die Stirn hinunter, als ich die dunkle Kammer nach der neugeborenen Ameise durchsuchte.

Da fiel mir ein, dass ich doch mit der Kamera ein Überblickbild machen könnte, wo ich dann in Ruhe nach der Pygmäe suchen könnte. Gesagt, getan! Ich schoss wie ein verrückter Paparazzi, der unbedingt ein Bild von den Jolie-Zwillinngen haben möchte. Als ich dann die Bilder durchsichtete, stockte mir der Atem:

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Ist das etwa ein Kopf der Pygmäe? Ich zückte wieder meine Kamera und schoss auf gut Glück die Kammerwände ab, mit der Hoffnung, dass ich bei der Dunkelheit überhaupt den Fokuspunkt finde. Erneute Sichtung des Materials ergab folgendes:

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Ein 14-Millionen-Dollar Bild, wie es im Bilderbuche steht. Herzlichen Glückwunsch, namenlose Königin. Du bist Mama! Und ich, ich bin glücklich. Noch werde ich sie in Ruhe lassen, bis die kleine ein wenig aktiver geworden ist. Dann werde ich sie in ein Arena stellen und das Nest leicht öffnen.

Die neue Welt

Ich habe ja recht früh versucht meinen Messors Honig anzubieten. Damals hat es denen eine Bohne interessiert, was da so leckeres vor dem Nest lag. Heute, mit 100 Arbeiterinnen mehr, habe ich es nocheinmal versucht. Mit einer Gabelspitze habe ich auf einem kleinen Stück Papier kleine Tröpfchen verteilt.

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Anfangs beschnupperte nur eine Arbeiterin die tropfen, schien aber nicht weiter Interesse zu zeigen. Ich habe schon resigniert, als dann doch auf einmal acht Tiere an den Honigtropfen waren. Sie führten dabei mit ihren Mandibeln Kau- bzw. Packbewegungen aus, vielleicht um den Honig reinzuschaufeln. Anscheinend ging es einigen Arbeiterinnen aber nicht schnell genug und sie holten aus der näheren Umgebung Kies, den sie in die Tropfen hineinschmissen. Anschließend wurde die mit Honig überzogenen Steinchen in das Nest geschleppt, wo sie in Gruppen daran leckten. Klar, im Nest ist es viel sicherer als draußen.

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Währenddessen habe ich eine Tupperdose, die ich eigentlich für meine anderen Königinnen reserviert hatte, an das Becken angeschlossen. Als Ausbruchschutz habe ich Talkum aufgetragen, der bereits jetzt schon mächtig an Substanz verloren hat. Ich bin ein wenig ungestüm beim Anschließen der Dose gewesen, sodass einiges an Pulver sich gelöst hat.

Kurze Zeit später lief bereits eine kleine Arbeiterin durch den Schlauch, um sich dann zaghaft der neuen Welt zu nähern. Immer wieder lief sie zur Schlauchmitte zurück. Immer weiter drang sie dann vor. Immer mehr wälzte sie sich im Talkum Pulver herum, bis sie einer Schneeameise glich. Ob das gut für den Chitinpanzer ist?

Ich mache mir ein wenig sorgen, dass die kleine Arbeiterin nicht wieder zurück findet. Auf dem Rückweg bleibt sie in der Mitte des Schlauches stehn und kehrt dann zur Tupperdose zurück. Ich dachte schon, dass der Schlauch vielleicht zu Steil war und habe die Tupperdose ein wenig erhöht. Dies hat auch nichts gebracht.

Was bleibt mir anderes übrig als abwarten und Zitronentee trinken…

Königliches Futter

Nach der erfolgreichen Fütterung meiner roten Königin, habe ich nun auch einen Mehlwurm zu den Pleometroseköniginnen geschoben. Die untergebene Königin, die näher am Reagenzglaseingang saß, registrierte zuerst die Mahlzeit. Fressabsichten zeigte sie aber nicht, obwohl ihr magerer Gaster förmlich danach schrie.

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Erst 10-20 Minuten später stürtzte sich die dominante Königin auf das Stück Mehlwurm. Dies nutze die schwächere Königin aus und lief zur feuchten Watte, wo sie erstmal ein wenig auftanken konnte. tatsächlich sah ihr Gaster danach ein wenig besser aus. Sie beteiligte sich ein wenig an der Brutpflege, während die andere Königin fraß.

Mittlerweile haben sie aber wieder die alten Positionen eingenommen.

Landschaftsgestalter

Meine Messors haben die Tage immer weiter im Nest herumgegraben und eine ganze Kammer freigelegt. Im 3. Kellergeschoss, direkt unter der Hauptkammer, halten sich halten sich nun ständig um die 30 Arbeiterinnen auf, die hin und wieder einige Puppen im Schlepptau haben.

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Natürlich muss der ganze Kies irgendwo auch abgeladen werden. Da meine Arbeiterinnen den Anblick meiner Plastickpflanzen nicht mehr ertragen konnten, haben sie sie halb mit dem herausgetragenen Kies eingegraben.

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Aber nicht nur Hügel können meine Landschaftsarchitekten anlegen. Sie können auch neue Löcher graben! Direkt neben dem Müllhaufen haben sie einen Zugang zu dem Zwischenraum zwischen Scheibe und Ytongstein erstellt. Auch an den Ecken haben sie fleißig Nach Erdöl gesucht. Mich hat es ja zuerst nicht gestört, da die Arbeiterinnen auch wieder rausfinden können, aber mittlerweile haben sie einiges an Müll dort hineingetragen.

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Da freue ich mich schon, wenn ich irgendwann das Nest erneuern und mich durch einen Schimmeldschungel kämpfen muss.

Ich habe hier noch ein kleines Video, welches das hervorragende Klettertalent meiner Ameisen demonstriert:

Pleometrose oder nicht?

Zwischenzeitlich sind in den diversen Foren Stimmen laut geworden, die mir einen Abbruch des Pleometrose-Projektes nahe legen wollen. Ich kann es auch durchaus verstehen, wenn Befürchtungen aufkommen, dass es in der Pleometrose-WG zu Mord und Todschlag kommen wird. Ich bitte euch aber mir ein wenig Vertrauen zu schenken, dass ich die beiden Königinnen rechtzeitig trennen werde.

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Derweil kann ich behaupten, dass die WG derzeit den größten Haufen Brut hat und im direkten Konkurrenzkampf zu den beiden anderen Königinnen im Vorteil ist. In der freien Natur würde dies bedeuten, dass sie schneller und besser Nahrungsquellen finden und verteidigen können. Das bedeutet aber auch, dass sie demzufolge noch schneller wachsen werden und dadurch eine dominante Stellung erhalten, was die Einverleibung kleinerer Gründerkolonien zur Folge hat.

Eine zweite Nacktpuppe hat sich nun dazugesellt und die WG zeigt Ambitionen den Spitzenplatz bei der Anzahl an Puppen zu erobern. Der roten Königin geht es ebenfalls recht gut. Ich habe gestern Abend noch ein Stück Mehlwurm hineingeschoben, was sie dankend annahm. Schnell schnitt die Königin ein kleines Stückchen ab und brachte es zu ihren Larven. Die größte Larve wurde dann daran angelegt, so dass sie direkt an den nahrhaften Fleisch drankommen konnte. Eine schädliche Wirkung der Fütterung bei dieser claustral gründenden Königin erwarte ich eigentlich nicht. Schließlich gab es aus Laborversuchen nur positives zu vermelden. Gefütterte Königinnen produzierten mehr und vorallem größere Arbeiterinnen als ihre nicht gefütterten Artgenossinen. Auf jeden Fall wird die Fütterung meine Königin ein wenig entlastet haben.

Neue Puppen in der WG

Derzeit bewacht die untergeordnete Königin ein einzelnes Ei. Es ist aber nicht festzustellen, von wem das Ei nun stammt. Ihr abgemagerter Gaster scheint, im Gegensatz zu dem Gaster der dominanten Königin, nicht wirklich so aussehen, als würden da viele Eier herangebildet.

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Die andere Königin hockt dagegen auf einen großen Haufen Brut herum. Es sind sogar vier weitere Puppen hinuzgekommen, die gut erkennbar an ihrer weißen Kokonhülle sind. Ältere Kokonpuppen sind eher cremefarbend oder braun. Anscheinend hat eine Larve nichts gefunden, um den Faden anzubringen. Sie hat sich zu einer winzigen Nacktpuppe weiterentwickelt.

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Die Bereitschaft ihre Brut aufzuziehen und nicht aufzufressen erstaunt mich bei meinen vier Königinnen. Es scheint fast schon, als gäbe es nichts, was sie außer Fassung bringen könnte. Weder reagieren sie auf Licht noch auf leichte Erschütterungen. Ersteres liegt wohl daran, dass meine Abdeckungen (halbe Klopapierrollen) nicht wirklich lichtdicht sind und meine Königinnen sich dadurch an das Licht gewöhnt haben. Letzteres kann ich mir auch nicht so erklären.

Wie dem auch sei, das kann nur ein Vorteil für mich sein!

Unterwerfung

Was mir heute so richtig auffällt ist, dass die inaktivere Königin in der Pleometrosegemeinschaft eine deutlich andere Körperhaltung hat, als die aktivere. Solange sie sich nicht fortbewegt, presst sie sich so tief wie möglich gegen den Reagenzglasboden.

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Die andere Königin wirkt dagegen viel erhabener. Es scheint, als ob sich eine Rangfolge sich gebidet hat. Ist die untergebene Königin etwa schon eine Kandidatin für den Abfallhaufen?

Reagenzglas-WG

Es ist tatsächlich gestern Abend noch passiert. In der Pleometrose-Dose ist die aktivere Königin mitsamt Brut in das Reagenzglas gezogen. Die inaktivere von den beiden folgte eine Stunde später. Sie lief dann anschließend zurück und durchsuchte das alte Nest nach Larven, die sie dann alle rüberbrachte.

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Man bemerke, wie ähnlich die Körperstruktur denen der Lasius Arten ähnelt. Auch die Larven zeigen eine gewisse Ähnlichkeit. Die Larven sind auch ziemlich aktiv und bäumen sich regelrecht auf. Dies signalisiert der Königin, dass sie Futter brauchen.

Die rote Königin will dagegen das Reagenzglas noch nicht mal inspizieren. Aber man muss ihr Vertrauen schenken, dass sie weiß, wo der ideale Ort für ihre Brut ist. Mittlerweile kann man schon drei Kokonpuppen erkennen.

Bei der Puppenkönigin ist bis jetzt noch nichts passiert. Es wird schätzungsweise noch eine Woche dauern, bis die ersten Arbeiterinnen schlüpfen.

Hier das erste Video meiner vier Königinnen: