Sie befinden sich aktuell in den Ant Blog - Ameisen Haltungsberichte Blog-Archiven für den folgenden Tag 20.6.2007.
20.6.2007 von TiGGa.
Lasius niger - Schwarze Wegameise
Taxonomie
Subfamilia: Formicinae
Genus: Lasius
Subgenus: Lasius s. str.
Species: Lasius niger (Linnaeus, 1758)
Allgemeines
Heimat: ganz D, Mitteleuropa, Ebene bis montane Stufe
Habitat: mäßig xerotherm bis mesophil, meidet schattiges Waldland und Moore (hier ersetzt durch Lasius platythorax), als Kulturfolger häufigster Lasius in Städten, Parks, Gärten und Ackerland, örtlich bis 108 Nester / 100qm (SEIFERT, 1994)
Kolonie: monogyn, bis mehrere 10.000 Arbeiterinnen, aggressiv, hohe Dominanz
Gründung claustral, bis 25% Pleometrose
Arbeiterinnen: monomorph
Nestbau: Erdnester bis 2m Tiefe, baut auch flache Hügel aus Nestaushub, gerne unter Steinen, auch morsches Totholz, Strassen werden oft überdacht, bildet bei großen Kolonien Vorposten mit Brut in der Nähe reichhaltiger Futterquellen.
Nahrung: Trophobiose, Zoophagie (Honig und Insekten in der Haltung), baut Lauspavillions, Eier der Trophobionten werden im Nest überwintert und gepflegt
Winterruhe: Okt - März, ektogene Winterruhe, stellt endogen gesteuert gegen Ende der Sommerperiode Eiablage ein
Ruhephasen: zieht bei trockener Hitze in tiefere Nestbereiche
Aussehen/Färbung ART-Name bei Subspecies oder Variation
alle Morphen: glänzend schwarz bis dunkelbraun, vorhandene Haare silbrig
Größe
Königin: 8 - 9mm
Männchen: 3,5 - 4,5mm
Arbeiterinnen: 3 - 5mm
Bemerkungen
Zwillingsart zu Lasius platythorax.
L. niger dringt zwar regelmäßig in Häuser ein, gilt jedoch nicht als Hausameise !
Eine agile und sehr interessante Art, durch ihre Anpassungsfähigkeit bestens für den Einstieg in die Ameisenhaltung geeignet.
Lasius niger hält den bisherigen Alters-Rekord der Gyne mit 28 3/4 Jahren. Im August 1931 wurde eine begattete Königin von Hr. Appel gefangen, die erst im April 1960 verstarb. Dabei war sie bis in die letzten Lebenstage fähig, befruchtete Eier zu legen.
Soviel zu den allgemeinen Informationen (Quelle: www.ameisenforum.de)
Ich habe die Königin gestern mittag, sprich am 19.06.2007 um 13:50 Uhr, mitten auf dem Universitätsplatz hier in der Heidelberger Altstadt gefunden. Um ehrlich zu sein habe ich nicht damit gerechnet, dass die Lasius niger Königinnen so früh auschwärmen. Erfahrungsgemäß liegt die Schwarmzeit dieser Art zwischen Ende Juni und Anfang Semptember, quasi eine Woche zu früh. Nun, die Natur ist ja unberechenbar, weshalb ich als Einsteiger in der Ameisenhaltung immer ein Reagenzglas mit einem Watteverschluss im Rucksack dabei habe.
Das Wetter war ziemlich ideal, sonnig bei 31°C und einer leicht erhöhten Luftfeuchtigkeit. Auch in Mannheim konnte ich hier und da einige Jungköniginnen herumkrabbeln sehen.Ich habe also mein Reagenzglas gezückt und es vor ihrer Nase gehalten. Es hat einige Versuche gebraucht, bis sie endlich in das Röhrchen krabbelte. Ich kann es ihr nicht verübeln, wer möchte schon bei so einem Wetter drinnen hocken und buchstäblich in die Röhre gucken. Da ich noch eine Übungsveranstaltung in der Uni hatte (Wirtschaftstheorie II - Spieltheorie), musste ich um das Wohlergehen meiner neuen Königin bangen. Bis ich zu Hause sein werde, würde es noch 3 Stunden dauern - 3 Stunden in einem gläsernen “Backofen” ohne Wasserversorgung. Ja, Ameisen brauchen, wie alle anderen Lebewesen auch, Wasser.
Ich habe das Röhrchen in ein Taschentuch gewickelt um es ihr ein wenig gemütlicher zu machen. Licht und Vibrationen im Nest können Stress verursachen, was ich meiner kleinen Königin ersparen wollte.Die 3 Stunden verliefen ohne Komplikationen, sodass ich sie in ihr erstes Nest umziehen lassen konnte. Ich habe dafür ein weiteres Reagenzglas genommen und es zu 1/3 mit Wasser gefüllt, dazu ein Stück Watte soweit reingestopft, bis sie sich vollgesaugt hatte. Ich hätte mehr Wasser einfüllen sollen, da ich nicht bedacht habe, dass durch das vollsaugen der Watte die Wasserkammer beträchtlich verkleinert wurde. So blieb nur noch eine Wasserkammer von ungefähr 1/4 der Länge des Röhrchens. Da ich aber keine Pinzette zur Hand hatte, um die Watte herauszuholen, beließ ich es einfach.
Ich hielt also die beiden Reagenzgläser aneinander, sodass die Königin rüberhuschen konnte. Schnell noch ein Stück Watte in die Öffnung gesetzt und schon war das Nest fertig.Die Königinnen der schwarzen Wegameise gründen claustral. Dies bedeutet, dass sie, nachdem sie ihre Flügel abgestriffen hat, sich in die Erde eingräbt und den Eingang verschließt. In diesem kleinen Erdloch wird sie nun rund einen Monat lang alleine verbringen, ohne Nahrung (ausser Wasser von der feuchten Erde) zu sich zu nehmen. Sie wird alleine aus ihren Reserven ihre erste Brut großziehen. Als Nahrung für die Larven dienen dann einige ihrer Eier.
Ich hoffe, dass ich das demnächst beobachten kann.
Nach rund 1 Monat Entwicklungzeit werden die ersten Arbeiterinnen schlüpfen, sogenannte Pygmäen, die viel kleiner sind als “normale” Arbeiterinnen. Ich schätze mal, dass das an der Ernährung der Larven liegt. Aus Spiegeleiern alleine wird man nunmal nicht groß.Da das Nest in der Natur dunkel ist, sollte man versuchen das küntliche Nest ebenfalls dunkel zu halten, damit die Königin sich sicher fühlt und mit der Eiablage beginnt. Rote Folie hat sich dafür bewährt, da die meisten Ameisen kein rotes Licht sehen können. Da ich keine rote Folie zu Hause hatte, musste ich ein Stück meiner Tageszeitung nehmen.Am Abend habe ich sie nochmal gestört um ein Foto zu schiessen. Die Aufnahme stammt von meiner billigen Sony Cybershot DSC-P73, die leider nicht für professionelle Makroaufnahmen geeignet ist.

Tag 2 - 20.06.2007
Ich habe heute Abend mal nachgeschaut, ob sich schon was getan hat, was aber nicht der Fall war. Hier muss man ein wenig Geduld üben. Ich mach mir um die Zimmertemperatur von über 27°C Sorgen, die das Nest ziemlich unangenehm aufheizen. Ich glaube kaum, dass es in der Natur unter der Erde so heiss wird. Ausserdem haben die Ameisen in der Natur stets die Möglichkeit sich tiefer in kühlere Erdschichten zu graben.

Hier oben sieht man nochmal die Nestkonstruktion. Mir gefiel die Königinnenkammer nicht. In der Natur ist sie viel kleiner, weshalb ich das Wattestückchen am Eingang nochmal ein paar Zentimeter reingeschoben habe. Ich hoffe, dass sie sich dadurch wohler fühlen wird und anfängt Eier zu legen. Und nein, die Königin ist NICHT tot. Sie leckte sich da nur am Hintern.

Hier eine Seitenansicht. Schön zu erkennen ist der Helle Streifen am Gaster, sprich dem Hinterleib.

Das gleiche Bild vergrößert.
Ich werde mich melden, sobald die ersten Eier da sind.
Geschrieben in Lasius niger - Queen Mary | 1 Kommentar »