Archive für Juni 2007

Tag 9 - Reagenzglas im Becken

Nachdem ich diesen Fotobericht gelesen habe, war ich hin und weg von der Arenagestaltung. Zwar reichen meine handwerklichen Geschicke noch nicht aus um solch eine Landschaft nachzubauen, dafür reicht aber das Geld um die schönen Plastikgräser zu kaufen.

Ich habe also mein Glück bei Karstadt Mannheim versucht, wo ich aber die gesuchten Pflanzen nicht fand. So blieb mir nichts anderes übrig als bei Antstore welche zu kaufen. Dazu habe ich mir auch die teurere rote Folie mitbestellt um die Farbfilterleistung zu testen.
Die günstigere Variante, die ich zur Zeit benutze lässt zuviel Restlichtanteil durch. Wenn man durch die Folie durchguckt, kann man immer noch deutlich Grün- und Blautöne sehen.
Als sehr gute Alternative muss ich die Folie, die man bei Apocrita.de bestellen kann, nennen. Das sind Farbfilterfolien, die im professionellen Bereich benutzt werden. Leider schrecken mich die hohen Versandkosten und Mindermengenpauschale ab dort etwas zu kaufen.

Mittlerweile habe ich Queen Mary mitsamt Reagenzglas in das Becken hineingelegt. Wiedereinmal habe ich das Zeitungspapier gegen die rote Folie getauscht zwecks Beobachtbarkeit. Als Sonnenschirm missbrauche die Antstore Broschüre, sodass im Reagenzglas keine hohen Temperaturen durch direkte Sonneneinstrahlung entstehen können. Tja, von nun an darf sie eben das riesige Bild von Martin Sebesta (dem Antstore Betreiber) auf der Broschüre bewundern. Es hätte ja noch schlimmer kommen können (Tokio Hotel *schauder*).

lasius_niger_20070628_1.jpg
Riesen Haufen. “Bitte lächeln.”

Wegen meiner zittrigen Hand und den miesen Lichtverhältnissen konnte ich leider kein scharfes Foto machen. Da müsste ich mir noch einen Ministativ kaufen.
Trotzallem sollte das Bild genügen um einen Überblick über die Eier zu schaffen. Wenn ich mich nicht verzählt habe, sind da 20 Eier zu sehen. Wenn man noch 3-4 Eier hinzuzählt, die durch die vorderen Eier verdeckt werden, sind das insgesamt 23-24.
Leider sind da noch keine Larven zu sehen, doch das wird sich hoffentlich übermorgen ändern. :)

lasius_niger_20070628_2.jpg
Reagenzglas im Becken

Standortwahl

Ich habe mir ein weng Gedanken darüber gemacht, wohin ich das Becken und das Nest stellen soll.
Seit meinem Umzug aus Essen nach Mannheim vor ein paar Monaten, ist mein Zimmer immernoch zugemüllt mit Umzugskartons. Viel Platz ist da eigentlich nicht und jetzt großartig Regale aufzubauen lohnt sich auch nicht wirklich, da meine Eltern bald schon wieder umziehen wollen. Dann werde ich mir eine eigene Wohnung suchen (juhu).

Ich habe also beschlossen das Becken auf meinem Schreibtisch zu stellen, während das Nest auf dem Karton meines Gitarrenverstärkers neben dem Tisch Platz finden wird.

lasius_niger_20070627_1.jpg
Platzauswahl für Becken und Nest

Die Lautsprecher neben der Arena benutze ich nicht mehr (Kopfhörer sei dank) und die leichten Erschütterungen sollten an sich kein Problem sein, solange das Nest nicht betroffen ist. Natürlich muss ich für die Zeit, wo das Reagenzglas im Becken liegt ein wenig vorsichtiger sein, aber das sollte machbar sein.

Das Nest habe ich soweit weggeschoben, bis das Gefälle vom PVC Schlauch nicht mehr so extrem steil war. So sollten die Ameisen keine Probleme haben den Müll aus ihrem Nest herauszuschaffen.
Wenn ihr meint, dass der Computer die Ameisen im Nest stören wird, dann kann ich euch beruhigen. Der Computer ist wassergekühlt und somit vibrations- und lärmfrei.
Direkt vor dem Ytong Stein sitzt auch meine Königin, die ich mit der Broschüre bedeckt habe. :)

Den Schlauch habe ich gekürzt und im Sand versenkt, damit er auch unten bleibt und nicht frei schwebend in der Luft hängt. Da der Sand noch ein wenig feucht war, war es für mich ihn darüberzuschaufeln und festzudrücken, ich habe aber trotzdem gemerkt, dass die Konsistenz sich verändert hat. Der Sand ist auf jeden Fall ein wenig fester geworden.

lasius_niger_20070627_2.jpg
Schlauch im Sand

Durch das Gefälle im Schlauch wird es wohl unwahrscheinlich sein, dass sich die Ameisen dort einnisten. Die einzige Schwachstelle ist der begrabene Teil des Schlauches, der schön dunkel ist. Lange werden sie da auch nicht bleiben, da es dort zu trocken und irgendwann zu eng sein wird.

Ich war heute auch kurz in der Zoohandlung in der Mannheimer Innenstadt um mich dort umzuschauen, konnte aber kein Lebendfutter finden. Na gut, ich habe auch nicht nachgefragt. Vielleicht sollte ich das mal beim nächsten Besuch. Das einzig Fressbare waren tiefgefrorene Mückenlarven in der Tiefkühltruhe.
Wie es bei den anderen Zoohandlungen aussieht weiss ich nicht. Natürlich befinden die sich fast alle am anderen Ende der Stadt und nicht da, wo ich wohne…

Eierzählung; Becken - Teil 2

Ich habe heute wieder Queen Mary fotografiert. Beim Abnehmen der roten Folie habe ich gemerkt, dass das Gewackel ziemlich stressig für meine Königin ist. Deswegen habe ich mich entschlossen wieder die alte Zeitungspapierhülle zu benutzen, wo ich das Reagenzglas annähernd erschütterungsfrei rausziehen kann.

Für das Foto habe ich diesmal eine Lupe vor die Linse gehalten, sodass ich eine deutlich höhere Vergrößerung erreichen konnte. Ich denke, dass ich mit ein wenig Übung richtig scharfe Nahaufnahmen machen kann.

lasius_niger_20070626_1.jpg
Königin mit Eiern. Das Bild musste ich sogar verkleinern, so groß war die Vergrößerung

Allein auf dem Bild sieht man ungefähr 15 Eier. Ich schätze mal, dass es insgesamt knapp 20 Stück sind. Und wenn man den angeschwollenen Gaster der Königin sieht, werden es wohl demnächst mehr. Es kann aber auch sein, dass sie einfach zuviel gesoffen hat…

Ich habe mittlerweile auch das Becken soweit fertig gemacht. Das flüssige Teflon habe ich per Spritze auf dem Beckenrand verteilt und durch kippen abliefen lassen. Dadurch blieb eine hauchdünne Teflonschicht, die den Ameisen das Leben schwer machen wird.

lasius_niger_20070626_2.jpg
Milchig trübe Teflonschicht. Dahinter die Flasche mit dem flüssigen Teflon

Anschließend habe ich das Becken noch mit Sand/Lehm gefüllt und befeuchtet, damit das Lehm im Gemisch durch das Trocknen aushärten kann. Naja, befeuchten kann man das eigentlich nicht nennen. Da ich keinen Wasserzersteuber gefunden habe, habe ich einfach das Wasser reingekippt. Das ganze braucht eben ein wenig länger zum Trocknen…

lasius_niger_20070626_3.jpg
Becken mit Sand

Zufrieden bin ich immernoch nicht mit dem Becken. Irgendwie wirkt es so… leer. Ich denke, dass ein wenig Dekoration dem Auge gut tun würde. Nun denn, mal schauen, was ich die Tage so finden kann. :)

Ytong Nest - Teil 2; Becken - Teil 1

So, heute habe ich schon wieder in die Hände gespuckt und an meinem Nest weitergearbeitet.

Ich war heute morgen beim lokalen Baumarkt und habe mir ein paar Sachen besorgt.
Damit das feuchte Nest nicht mehr im direkten Kontakt zum Boden steht, habe ich vier Filzgleiter in den Ecken reingerammt.

lasius_niger_20070625_1.jpg
Filzgleiter

lasius_niger_20070625_2.jpg
Montierte Filzgleiter

Da ich ja bis jetzt nur eine Königin habe und auch im nächsten Monat nicht mehr als 10-13 Arbeiter hinzukommen, sind die sechs vorhandenen Kammern im Nest doch ein wenig zu viel des Guten.
Ameisen haben nämlich eine merkwürdige Angewohnheit unbenutzte Kammern als Mülldeponie zu benutzen. Wie man jetzt vermuten kann: tote Fliege + Feuchtigkeit = iiieh, Schimmel.

Aus diesem Grund habe ich das Sand/Lehm Gemisch genommen und die meisten Gänge verschlossen. So können die Ameisen bei Bedarf die Kammern freischaufeln. Bleibt nur zu hoffen, dass es kein Grubenunglück geben wird…
Den Boden der einzelnen Kammern habe ich auch mit ein wenig Sand bedeckt um die großen Poren zu verschließen, wo evtl. die kleinen Eier hineinfallen könnten.
Danach habe ich die Glasscheibe und den Schlauch mit Silikon befestigt, was jetzt ein paar Stunden/Tage trocknen sollte. Als Gewicht habe meine 5L Flasche mit destilliertem Wasser genommen, die jetzt auf der Glasscheibe sitzt.

lasius_niger_20070625_3.jpg
Verschlossene Kammern

Weiter geht es mit dem Becken. Ich habe mir den Deckel genauer angeschaut und Zweifel bekommen, dass das ganze wirklich dicht auf dem Becken sitzt.

lasius_niger_20070625_4.jpg
Deckel von unten

Wie man an den Ecken sieht, gibt es zwischen den Silikonbahnen kleine Lücken, wo sich eine Ameise durchquetschen könnte. Um den Deckel jetzt dicht zu bekommen, habe ich mir im Baumarkt Tür- und Fensterdichtungen gekauft. Das sind Klebestreifen aus Schaumstoff, die man normalerweise benutzt um die Türen und Fenster winddicht zu machen.
Die Streifen habe ich mir zurecht geschnitten und am Deckelrand aufgeklebt. Leider habe ich zu spät gesehen, dass zu breite Streifen gekauft habe…
Da stand ich in der Klebebandabteilung und habe mir gedacht, 12 mm seien zu viel, nimm dir lieber die 8 mm Streifen. Und statt zu den kleineren Streifen zugreifen, habe ich eine andere 12 mm Packung mitgenommen… Ja, ich werd langsam alt. :)

lasius_niger_20070625_5.jpg
Deckel abgedichtet

Nach Sichtkontrolle sollte der Deckel nun absolut dicht am Beckenrand aufliegen.

Es gibt aber Situationen, wo ich den Deckel abheben muss und wo die Ameisen dann einfach rauskrabbeln könnten. Zum Beispiel bei der Fütterung! Deswegen werde ich später eine Schicht Teflon auftragen, wo die Ameisen abrutschen werden. Doch zuvor muss das Becken vorbereitet werden. Ich habe mit einem Messer versucht die Silikonwulste in den Ecken, vornehmlich im oberen Beckenbereich, zu entfernen. Das flüssige Teflon haftet nicht auf Silikon!

Danach habe ich das flüssige Teflon (10 ml) mit 1100 ml destilliertem Wasser in einer PET-Flasche gut vermischt. Dieses Mischverhältnis reicht vollkommen aus um den Ausbruchsschutz zu gewährleisten. Außerdem habe nun aus 10 ml ganze 1110 ml gemacht, was den Rest meines Lebens völlig genügt. :D

Wie es weitergeht erfährt ihr morgen.

lasius_niger_20070625_6.jpg
Nest mit Glasscheibe

Ytong Nest - Teil 1

Da frühestens am 30.06.2007 mit Larven zu rechnen ist, widme ich den heutigen Tag dem Ytong Nestbau.
Die Verwendung von Ytong hat den Vorteil, dass man selber die Kammerstrukter bestimmen kann und dass das Nest sehr leicht zu befeuchten ist. Durch ihre schwammartige Struktur saugt sie sich gleichmäßig voll mit Wasser, man kann aber trotzdem noch ein Feuchtigkeitsgefälle erzeugen.
Bei klassischen Ameisenfarmen aus Sand/Lehm/Erde kommt es häufig vor, dass die Ameisen nicht an der Scheibe ihr Nest bauen oder die Scheibe durch Erde verschmiert ist, sodass eine Beobachtung erschwert wird.

Aber fangen wir nun mit der Konstruktion an. Man nimmt am besten Zeitungspapier als Unterlage, da der Stein beim Bearbeiten ein wenig staubt.

lasius_niger_20070624_1.jpg
Ytong Stein auf Zeitungspapier

Zuerst sollte man die Kammern und Gänge mit einem Bleistift oder Buntstift vorzeichnen. Die Kammern sollten nicht allzugroß werden, damit die Ameisen ein Gefühle der Sicherheit bekommen. 4cm x 2cm x 2cm sind denke ich in Ordnung. Das würde sogar den größeren Camponotus spec. reichen.

lasius_niger_20070624_2.jpg
Vorgezeichnete Kammern

Nach dem Zeichnen steck man den Stein am besten halb in eine Plastiktüte. So kann man ganz bequem Trümmer und Staub fast vollständig auffangen.
Nun nimmt man sich einen flachen Schraubenzieher zur Hand und fängt bei einer der Kammern an die Umrisse auszustechen. Da das Ytong relativ weich ist, sollte es kein Problem sein den Schraubenzieher in den Stein zu versenken.
Anschließend muss man in der Mitte der Kammer schräg ansetzen und durch drücken und leicht drehenden Handbewegungen das Innere der Kammer abplatzen lassen.
Dies wiederholt man bis die gewünschte Kammertiefe erreicht ist. Danach muss man nur noch die Wände ein wenig glätten und schon ist man mit der ersten Kammer fertig.

lasius_niger_20070624_3.jpg
Fertige Kammer

Die restlichen Kammern und Gänge werden dann mmit dem selben Prinzip bearbeiten.

lasius_niger_20070624_4.jpg
Fertiges Kammer- und Gängesystem

Zur Bewässerung des Steines habe ich jetzt ein 4 cm tiefes Wasserreservoir an der Oberseite ausgekratzt. Dieses Loch kann man später mit Seramis Substrat befüllen um eine kontrolliertere Abgabe der Feuchtigkeit an den Ytong Block zu erreichen.
Da werde später nochmal ein Paar Versuche machen müssen um herauszufinden, ob die Befeuchtung letzendlich so funktioniert wie ich es geplant habe.
lasius_niger_20070624_5.jpg
Wasserreservoir

lasius_niger_20070624_6.jpg
Jede Menge Dreck

Fehlt da nicht noch etwas? Genau, irgendwie müssen die Ameisen ja auch reinkrabbeln können. Wir brauchen also einen Eingang. Da ich spät in der Nacht daran gearbeitet habe, kommt Bohren nicht in Frage. Das ist auch eigentlich nicht nötig, da man das auch mit dem Schraubenzieher machen kann.
Man muss nun den Schraubenzieher an der Aussenwand anlegen und genau auf die Kammer zielen. Dann muss man den Schraubenzieher solange drehen (wie als ob man eine Schraube reindrehen will), bis man durch die Wand durch ist.

lasius_niger_20070624_7.jpg
Mit Schraubenzieher bohren

Da mein PVC Schlauch nicht in das Loch passte, habe ich mit dem Schraubenzieher ganz vorsichtig das Loch vergrößert. Danach kann man den Schlauch reinstecken und abermals durch drehende Bewegung sich tiefer reinbohren, bis man einigermaßen tief drin steckt. Später wird der Schlauch mit Silikon festgeklebt.

lasius_niger_20070624_8.jpg
Schlauch als Bohrer verwenden

Anschließend sollte man das ganze auch von der Kammer aus betrachten und evtl. Verengungen beseitigen. Danach unter der Dusche auswaschen und man ist mit der ersten Phase des Baus fertig.

lasius_niger_20070624_9.jpg
Von der Kammer aus betrachtet

Hände waschen nicht vergessen. :)

Nachzügler

Als ich heute mittag nachgeschaut habe, konnte ich 3 verschiedene Eierhaufen sehen. Diese hatte die Königin im Laufe des Tages wieder zu einem großen Haufen zusammengelegt.
So geht sie wahrscheinlich auf die individuellen Bedürfnisse der Eier ein.

lasius_niger_20070622_1.jpg

Zum Abend hin habe ich die rote Folie entfernt um ein Foto zu schiessen. Dabei hat sie dann versucht ein kleines Eierpaket mit 2-3 Eiern in der feuchten Watte vor mir zu verstecken. Der andere Haufen zählte mindestens 8 Eier. Entweder habe ich gestern nicht alle Eier entdeckt oder sie hat in der Nacht nochmal 3-4 Eier gelegt.

lasius_niger_20070622_2.jpg
Mindestens 8 Eier zu sehen

Nach der Neststörung hat sie dann angefangen an der Watte zu rupfen und einzelne Fasern am Ausgang abzulegen. Ich hoffe mal, dass sie sich schnell wieder beruhigt.

Queen Mary ist Mama geworden

Weiter geht’s mit dem Haltungsbericht.

Ich kam gerade nach Hause als ich gesehen habe, dass meine Schwester das Nest aus ihrer schützenden Zeitungspapierhülle herausgeholt hat. Zum Glück schien mir die Königin recht relaxed zu sein. Nach einer schweren Geburt würde ich ja auch nicht sofort rumturnen.
Ja, ihr habt richtig gehört: Queen Mary ist endlich Mama. Mir ist sofort aufgefallen, dass sie diesmal ganz nah an der nassen Watte saß. Bei den anderen Malen hatte sie eher versucht den Wattestopfen am Ausgang aufzubeißen. Ich denke, sie hatte einfach genug von Schlagzeilen auf dem Zeitungspapier. Jeden Tag über die Hamas zu lesen macht ja auch deprimierend.

lasius_niger_20070621_1.jpg
Queen Mary an der nassen Watte

Ich habe mir also das Reagenzglas näher angeschaut und was sehe ich da? Zwei kleine Eier, die an die Wand geklatscht wurden. Schnell habe ich noch ein Foto versucht zu machen, worauf man weitere 5 Eier im Hintergrund an der Watte sehen konnte. Das macht also insgesamt 7 Eier.

lasius_niger_20070621_2.jpg
Mary mit Eiern. Links am Bein sieht man das Eierpaket. Über der Königin sind noch 2 Eier zu erkennen. “Ey, was guckst du?”

Nach dem Checken habe ich sie erstmal ein wenig in Ruhe gelassen. Das hat sie sich auch redlich verdient, nachdem sie von meiner Schwester so strapaziert worden ist.

Stattdessen habe ich das Paket von Antstore aufgemacht, dass ich heute bekommen habe. Ameisen kann man ja nicht ewig in einem Reagenzglas halten. Deswegen habe ich vorgestern Nacht meine Bestellung bei Antstore abgegeben um auch für die Zukunft gerüstet zu sein.

Gekauft habe ich:

  • Antstore Starter Set - Beckenvariante welches folgendes beinhaltet
    • Glasbecken 30cmx20cmx20cm
    • Passender Deckel mit Lüftungsgitter
    • Plastikpipette
    • Federstahlpinzette
    • Runder Futternapf
    • 2 Gummistöpsel
    • Sand-Lehm-Gemisch
    • Zucker-Honig-Lösung
    • Flüssiges PTFE (Teflon)
  • Rote Abdeckfolien
  • Spritze und Kanüle 120 mm
  • Ytong Stein 20cmx10cmx10cm
  • Glasscheibe 19cmx10cm
  • Schlauch 10/08mm auf ein Meter Länge
  • Luftdurchlässige Stopfen
  • Silikon
  • Skalpell
  • Eckiger Futternapf mit Schwamm

Erstmal ein herzliches Dankeschön an das Antstore Team. Dazu aber auch ein Kritikpunkt: man hätte auch eine Tüte Gummibären mitschicken können, damit es beim Handwerkern nicht so langweilig ist.

Ich gehe jetzt erstmal die Einkaufsliste durch. Bestimmt fragen sich einige von euch (besonders die, die von Ameisenhaltung noch nie was gehört haben), warum ich zum Beispiel flüssiges Teflon habe oder was der Ytong Stein da macht.

Zuerstmal zum Becken: Das Becken wird als die sogenannte “Arena” fungieren. Hier werden die Ameisen auf Futtersuche gehen oder aber auch ihren Müll lagern. Ameisen sind da “intelligent” genug um ihr Nest reinlich zu halten und eine Schimmelbildung zu erschweren, indem sie die Überreste ihres Futters ganz weit vom Nest wegschaffen und es auf einen Art Müllplatz zu lagern. So kann man als Halter recht bequem den Müll per Pinzette herauspicken.
Am Becken sind auch noch Löcher hineingebohrt worden, die man zur späteren Erweiterung oder zum Anschluss eines externen Nestes benutzen kann. Unbenutze Löcher sollte man aber mit den Gummistöpseln abdichten, da die Ameisen sonst eine Exkursion durchs Zimmer starten könnten und werden.

Der Deckel dient dann als Ausbruchssicherung. Die zweite Ausbruchssicherung - doppelt hält bekanntlich besser - stellt das flüssige Teflon dar. Dieses wird knapp unter dem Beckenrand per Pinsel aufgetragen, sodass die Ameisen, die sich trauen hochzuklettern, einfach abrutschen. Diesen Schutz sollte man jedes Jahr erneuern, damit die Arena wirklich ausbruchssicher bleibt.
Damit kann ich schon mal den Deckel heben, ohne dass ich dabei eine Flucht befürchten muss.

Das Becken wird mit einem feuchten Sand-Lehm-Gemisch aufgefüllt, welches beim trocknen aushärtet. So können die Ameisen sich nicht da eingraben und ein Nest anlegen. Wie ich das Becken letztendlich gestalten werde, muss ich mir noch genau überlegen. Ich werde aber auf jedenfall mein handwerkliches Talent (*hust*) in diesem Blog für die Nachwelt dokumentieren.

Die Ameisen werden zukünftig in dem Ytong Stein wohnen. Ytong gilt als leicht bearbeitbar, so kann man mit Schraubenzieher Gänge und Kammer herauskratzen. Auf dem Stein kommt dann die Glasscheibe, die ich dann mit Silikon festkleben werde. So kommt keine Ameise heraus ausser über den einzigen Ausgang, den ich per Schlauch mit der Arena verbinden werde.
Der Vorteil eines externen Nestes liegt klar auf der Hand. Ein kleiner Ytong Stein lässt sich besser irgendwo lagern, wenn die Ameisen in die Winterstarre fallen. Einfach Schlauch abtrennen und den luftdurchlässigen Stöpsel drauf.

Den Futternapf mit Schwamm werde ich für die Trinkwasserversorgung benutzen. Ich habe Berichte gehört, wo Ameisen sich lemmingartig in den Tod stürzen, weil sie aus einem Wassertropfen nicht rauskommen können. Durch den Schwamm können sie nun endlich wie Jesus über Wasser laufen.

Die Spritze mit der Kanüle wird für das Auffüllen des Wasserreservoirs im Reagenzglas benutzt. So muss ich die Ameisen nicht unbedingt umziehen lassen, wenn der Wassertank mal leer ist.

Da ersten Ameisen erst in ungefähr einen Monat kommen, habe ich genug Zeit um das Becken einzurichten. Ich werde schon mal damit anfangen das Reagenzglas mit roter Folie zu umwickeln. So muss ich für einen schnellen Kontrollblick nicht mehr das Reagenzglas anfassen, was ja Stress für die Ameisen bedeutet.

Also, bis demnächst. :)

lasius_niger_20070621_3.jpg
Die Anstore-Bestellung

Meine erste Lasius niger Königin

Lasius niger - Schwarze Wegameise

Taxonomie
Subfamilia: Formicinae
Genus: Lasius
Subgenus: Lasius s. str.
Species: Lasius niger (Linnaeus, 1758)

Allgemeines
Heimat: ganz D, Mitteleuropa, Ebene bis montane Stufe
Habitat: mäßig xerotherm bis mesophil, meidet schattiges Waldland und Moore (hier ersetzt durch Lasius platythorax), als Kulturfolger häufigster Lasius in Städten, Parks, Gärten und Ackerland, örtlich bis 108 Nester / 100qm (SEIFERT, 1994)
Kolonie: monogyn, bis mehrere 10.000 Arbeiterinnen, aggressiv, hohe Dominanz
Gründung claustral, bis 25% Pleometrose
Arbeiterinnen: monomorph

Nestbau: Erdnester bis 2m Tiefe, baut auch flache Hügel aus Nestaushub, gerne unter Steinen, auch morsches Totholz, Strassen werden oft überdacht, bildet bei großen Kolonien Vorposten mit Brut in der Nähe reichhaltiger Futterquellen.
Nahrung: Trophobiose, Zoophagie (Honig und Insekten in der Haltung), baut Lauspavillions, Eier der Trophobionten werden im Nest überwintert und gepflegt
Winterruhe: Okt - März, ektogene Winterruhe, stellt endogen gesteuert gegen Ende der Sommerperiode Eiablage ein
Ruhephasen: zieht bei trockener Hitze in tiefere Nestbereiche

Aussehen/Färbung ART-Name bei Subspecies oder Variation
alle Morphen: glänzend schwarz bis dunkelbraun, vorhandene Haare silbrig

Größe
Königin: 8 - 9mm
Männchen: 3,5 - 4,5mm
Arbeiterinnen: 3 - 5mm

Bemerkungen
Zwillingsart zu Lasius platythorax.
L. niger dringt zwar regelmäßig in Häuser ein, gilt jedoch nicht als Hausameise !

Eine agile und sehr interessante Art, durch ihre Anpassungsfähigkeit bestens für den Einstieg in die Ameisenhaltung geeignet.

Lasius niger hält den bisherigen Alters-Rekord der Gyne mit 28 3/4 Jahren. Im August 1931 wurde eine begattete Königin von Hr. Appel gefangen, die erst im April 1960 verstarb. Dabei war sie bis in die letzten Lebenstage fähig, befruchtete Eier zu legen.

Soviel zu den allgemeinen Informationen (Quelle: www.ameisenforum.de)


Tag 1 - 19.06.2007

Ich habe die Königin gestern mittag, sprich am 19.06.2007 um 13:50 Uhr, mitten auf dem Universitätsplatz hier in der Heidelberger Altstadt gefunden. Um ehrlich zu sein habe ich nicht damit gerechnet, dass die Lasius niger Königinnen so früh auschwärmen. Erfahrungsgemäß liegt die Schwarmzeit dieser Art zwischen Ende Juni und Anfang Semptember, quasi eine Woche zu früh. Nun, die Natur ist ja unberechenbar, weshalb ich als Einsteiger in der Ameisenhaltung immer ein Reagenzglas mit einem Watteverschluss im Rucksack dabei habe.
Das Wetter war ziemlich ideal, sonnig bei 31°C und einer leicht erhöhten Luftfeuchtigkeit. Auch in Mannheim konnte ich hier und da einige Jungköniginnen herumkrabbeln sehen.Ich habe also mein Reagenzglas gezückt und es vor ihrer Nase gehalten. Es hat einige Versuche gebraucht, bis sie endlich in das Röhrchen krabbelte. Ich kann es ihr nicht verübeln, wer möchte schon bei so einem Wetter drinnen hocken und buchstäblich in die Röhre gucken. Da ich noch eine Übungsveranstaltung in der Uni hatte (Wirtschaftstheorie II - Spieltheorie), musste ich um das Wohlergehen meiner neuen Königin bangen. Bis ich zu Hause sein werde, würde es noch 3 Stunden dauern - 3 Stunden in einem gläsernen “Backofen” ohne Wasserversorgung. Ja, Ameisen brauchen, wie alle anderen Lebewesen auch, Wasser.
Ich habe das Röhrchen in ein Taschentuch gewickelt um es ihr ein wenig gemütlicher zu machen. Licht und Vibrationen im Nest können Stress verursachen, was ich meiner kleinen Königin ersparen wollte.Die 3 Stunden verliefen ohne Komplikationen, sodass ich sie in ihr erstes Nest umziehen lassen konnte. Ich habe dafür ein weiteres Reagenzglas genommen und es zu 1/3 mit Wasser gefüllt, dazu ein Stück Watte soweit reingestopft, bis sie sich vollgesaugt hatte. Ich hätte mehr Wasser einfüllen sollen, da ich nicht bedacht habe, dass durch das vollsaugen der Watte die Wasserkammer beträchtlich verkleinert wurde. So blieb nur noch eine Wasserkammer von ungefähr 1/4 der Länge des Röhrchens. Da ich aber keine Pinzette zur Hand hatte, um die Watte herauszuholen, beließ ich es einfach.
Ich hielt also die beiden Reagenzgläser aneinander, sodass die Königin rüberhuschen konnte. Schnell noch ein Stück Watte in die Öffnung gesetzt und schon war das Nest fertig.Die Königinnen der schwarzen Wegameise gründen claustral. Dies bedeutet, dass sie, nachdem sie ihre Flügel abgestriffen hat, sich in die Erde eingräbt und den Eingang verschließt. In diesem kleinen Erdloch wird sie nun rund einen Monat lang alleine verbringen, ohne Nahrung (ausser Wasser von der feuchten Erde) zu sich zu nehmen. Sie wird alleine aus ihren Reserven ihre erste Brut großziehen. Als Nahrung für die Larven dienen dann einige ihrer Eier.
Ich hoffe, dass ich das demnächst beobachten kann.
Nach rund 1 Monat Entwicklungzeit werden die ersten Arbeiterinnen schlüpfen, sogenannte Pygmäen, die viel kleiner sind als “normale” Arbeiterinnen. Ich schätze mal, dass das an der Ernährung der Larven liegt. Aus Spiegeleiern alleine wird man nunmal nicht groß.Da das Nest in der Natur dunkel ist, sollte man versuchen das küntliche Nest ebenfalls dunkel zu halten, damit die Königin sich sicher fühlt und mit der Eiablage beginnt. Rote Folie hat sich dafür bewährt, da die meisten Ameisen kein rotes Licht sehen können. Da ich keine rote Folie zu Hause hatte, musste ich ein Stück meiner Tageszeitung nehmen.Am Abend habe ich sie nochmal gestört um ein Foto zu schiessen. Die Aufnahme stammt von meiner billigen Sony Cybershot DSC-P73, die leider nicht für professionelle Makroaufnahmen geeignet ist.

20.06.2007 - Queen Mary im Neströhrchen

Tag 2 - 20.06.2007

Ich habe heute Abend mal nachgeschaut, ob sich schon was getan hat, was aber nicht der Fall war. Hier muss man ein wenig Geduld üben. Ich mach mir um die Zimmertemperatur von über 27°C Sorgen, die das Nest ziemlich unangenehm aufheizen. Ich glaube kaum, dass es in der Natur unter der Erde so heiss wird. Ausserdem haben die Ameisen in der Natur stets die Möglichkeit sich tiefer in kühlere Erdschichten zu graben.

Neströhrchen

Hier oben sieht man nochmal die Nestkonstruktion. Mir gefiel die Königinnenkammer nicht. In der Natur ist sie viel kleiner, weshalb ich das Wattestückchen am Eingang nochmal ein paar Zentimeter reingeschoben habe. Ich hoffe, dass sie sich dadurch wohler fühlen wird und anfängt Eier zu legen. Und nein, die Königin ist NICHT tot. Sie leckte sich da nur am Hintern.
lasius_niger_20070620_2.jpg

Hier eine Seitenansicht. Schön zu erkennen ist der Helle Streifen am Gaster, sprich dem Hinterleib.

lasius_niger_20070620_3.jpg

Das gleiche Bild vergrößert.

Ich werde mich melden, sobald die ersten Eier da sind.

|